Lebendige Wiesen

Lebendige Wiesen statt Einheitsrasen

 

Ein Garten bietet uns Menschen so viel: Er kann Erholungs- und Bewegungsraum, Spielwiese für Kinder, Picknickfläche, Treffpunkt, Naschgarten, Entdeckungs- und Erlebnisraum sein. Alle Sinne werden hier angesprochen: Es blüht, es duftet, es zwitschert. Da jeder bei der Gestaltung seines Gartens seinen eigenen Ideen freien Lauf lassen kann, müsste es eigentlich eine Vielzahl an unterschiedlichsten, individuell gestalteten Gärten geben - denkt man allein an die riesige heimische Pflanzenvielfalt: angefangen von hunderten Obstbaumsorten über Heckensträucher bis hin zu vielfältigsten Stauden und einjährigen Pflanzen.

 

Doch weit gefehlt! Statt Individualität findet man in vielen Gärten nur Eintönigkeit: Perfekter, grüner Zierrasen umgeben von einer Thuja- oder Kirschlorbeerhecke mit einzelnen Formschnittgehölzen. Vielerorts gibt es nur noch den teppichgrünen perfekten Mähroboter-Rasen begrenzt von Stabgitterzäunen mit Plastikstreifen. Man erkennt hier keine Jahreszeiten mehr, denn nichts sprießt, blüht und vergeht wieder. Alles soll möglichst ganzjährig gleich aussehen. Aus den Augen unserer heimischen Flora und Fauna sind solche monotonen Gärten nur lebensleere Wüsten. Doch ein Garten ist kein aufgeräumtes Wohnzimmer, sondern Natur, die sich stets verändert.

 

Wie viel Pflegeaufwand steckt in einem englischen Rasen? Hier wird gedüngt, vertikutiert, häufig gewässert und gemäht, Kanten in Form geschnitten und manchmal sogar Pflanzenschutzmittel eingesetzt, um jegliche Beikräuter zu unterdrücken. Aber Bienen und Falter brauchen heimische Blüten, denn Nektar und Pollen, also Blütensaft und Blütenstaub, bilden die Nahrungsgrundlage für viele Insekten.

 

Wenn man daher die aufwendige Rasenpflege einfach mal reduziert, nicht mehr düngt, seltener mäht und die Giftspritze weglässt, dann siedeln sich meist von ganz allein hübsche Gänseblümchen, Wegerich, Schafgarbe und vieles mehr in Ihrem Rasen an und mit der Zeit können Sie sich an einer bunten Blühwiese erfreuen, die Insekten und damit auch Vögel in Ihren Garten lockt.

 

Es braucht etwas Geduld, um einen Rasen in eine bunte Blumenwiese zu verwandeln, aber man kann dies mit der Aussaat von Samenmischungen beschleunigen. Im Handel findet man auch Samentüten von exotischen Pflanzen. Diese sehen zwar schön aus, sind für unsere Insekten jedoch oft ungeeignet. Daher ist regionales Saatgut von heimischen Pflanzen zu bevorzugen.

 

Eine Wiese macht deutlich weniger Arbeit als ein konventioneller Rasen. Da viele Wildkräuter mageren Boden mögen, kann man auf Düngemittel verzichten. Eine Wiese muss zudem viel seltener gemäht werden und kommt auch besser mit Trockenheit zurecht. Ein regelmäßig geschnittener Zierrasen braucht dagegen deutlich häufiger Wasser, um nicht braun und unansehnlich zu werden.

 

 

Für mehr Vielfalt im Garten muss man wenig tun, es reicht oft schon, der Natur Platz zu geben, um sich zu entfalten.