Fundierte Anleitung zum Lesen von Vogelspuren
Wer wissen möchte, welche Vögel an einer bestimmten Stelle vorkommen wird zunächst versuchen, diese zu sichten und dabei durch die entsprechenden äußeren Merkmale zu bestimmen. Eine gute Alternative dazu ist -gerade auch bei Singvögeln im Frühling- die Zuordnung durch gehörte Vogelstimmen. Wenn beides nicht möglich ist, können Vogelspuren weiterhelfen. Hier setzt das gleichnamige Buch „Vogelspuren - Entdecken und verstehen“ von Andreas Wenger an, das gerade im Verlag Quelle & Meyer erschienen ist. Deutlicher Schwerpunkt sind hierbei die Trittsiegel, aber auch Fraßspuren, Exkremente oder Speiballen werden behandelt. Bei dem mit 462 Seiten erstaunlich umfangreichen Werk hat Andreas Wenger eine große Fülle an Abbildungen und Daten zusammengetragen und aufgearbeitet. Schnell wird klar: Spurenlesen ist nicht trivial. Erst einmal muss man aussagekräftige Fußabdrücke von Vögeln finden, diese dann korrekt vermessen und schließlich mit den im Buch vorhandenen Abbildungen und Messdaten vergleichen. Eine klare Zuordnung auf Ebene der Vogelart ist dabei oft nicht möglich, entweder weil die Spur nicht deutlich genug ist und/ oder weil nahe miteinander verwandte Arten sehr ähnliche Abdrücke hinterlassen. Auf der anderen Seite erhält man trotzdem wertvolle Hinweise, beispielsweise, ob die Trittsiegel am Wasser von einer Ente oder von einer Gans oder von einem Kormoran stammen. Oder man kann eine vermutete Art ausschließen, oder einen Beobachtungstermin planen, wenn man eine bestimmte Vogelart vermutet, die einen besonders interessiert. Das Vogelspuren-Buch ermöglicht auf jeden Fall einen vertieften Einblick in eine faszinierende Spurensuche, die die direkte Vogelbeobachtung natürlich in keiner Weise ersetzt, diese jedoch um eine interessante Facette erweitert. Deshalb ist dieses Buch meines Erachtens sehr empfehlenswert für alle Vogelfreunde, die sich mit dem ersten oberflächlichen Blick nicht begnügen wollen, sondern auf quasi detektivische Spurensuche gehen wollen!